Mehr Eigenverantwortung für die Bürger

Grundsätzlich begrüßen wir es, dass durch die gestrige Kabinettsentscheidung Bewegung in die Kontaktsperre gekommen ist. Allerdings ist es für mich rein logisch schwer nachvollziehbar, warum lediglich Geschäfte bis 800 qm wieder öffnen dürfen, die doch weniger Raum haben, um die Abstandsregeln einzuhalten. Es könnte sein, dass den handelnden Personen auch hier wieder die Fähigkeit abgesprochen wird, selbst Verantwortung zu übernehmen. Sobald ein Geschäft größer ist, ist es vielleicht weniger übersichtlich – wobei noch nicht einmal das gesagt ist.

Für mich ist nicht nachvollziehbar, warum den Betreibern der größeren Flächen nicht zugetraut wird, sich selbst und das schon im eigenen Interesse zu überlegen, wie der Sicherheitsabstand in ihren Flächen eingehalten werden kann. Wenn wir in dieser Linie konsequent sein wollen, müssten wir als nächstes Autofahren oder Radfahren verbieten- auch das kann lebensgefährlich sein und erfordert von allen Beteiligten verantwortliches Handeln. Bislang gehen wir alle das Risiko ein, dass diese Rechnung viel zu oft nicht aufgeht und Menschen auf unseren Straßen sterben. Es wird in keinem Fall möglich sein, alle Eventualitäten auszuschließen.

Was wir tun können und auch in Krisensituationen nach meiner Auffassung viel mehr tun sollten, ist den Menschen erlauben, Verantwortung für sich selbst und für andere zu übernehmen. Wem das zu riskant ist, der neigt dazu, so zu handeln, wie es jetzt unsere Bundesregierung tut. Dass es auch anders funktionieren kann, zeigen die Beispiele Schweden oder Österreich.

Dr. Irina Kummert

Präsidentin
Ethikverband der deutschen Wirtschaft e.V.

(Foto: Geralt, pixabay.com)

17. April 2020

Kommentare

  1. Verteidigungsminister

    Ganz Ihrer Meinung!

  2. Sicherheits-Guru

    Kann mich dem nur anschließen. Die Grenze von 800 Quadratmetern ist aus meiner Sicht willkürlich gewählt. Warum nicht 400, 600 oder gar 1.000 Quadratmeter?
    Aus meiner Sicht ein weiteres großes Problem: die Eindämmungsveordnungen verbieten Demonstrationen größtenteils. Dabei handelt es sich aber um ein Grundrecht, das nicht ewig eingeschränkt werden sollte. Problematisch ist dabei, dass die Gerichte bisher fast immer im Sinne der Verordnungen entscheiden.

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