Die bange Sorge um die Spätfolgen

Medizinische und virologische Urteile haben dieser Tage keine lange Halbwertzeit. Und sichere Fakten sind am Anfang der Pandemie noch nicht zu erwarten. Spekulationen um mögliche Spätfolgen wie Herz-, Leber- oder Hirnschäden, nähren die Sorge der Ärzte. So soll auch das Schlaganfallrisiko durch das Virus steigen.

Das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) in Kiel bringt nun den Verdacht ins Spiel, dass noch nach Jahren Covid-19-Infizierte unter dem Virus leiden könnten. Jedenfalls schätzt es so Joachim Thiery, Dekan der Medizinischen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, ein.

Um die Auswirkungen kalkulierbarer zu machen, plant das UKSH unter Koordination der Berliner Charité, eine Biobank aufzubauen. Die gewonnen Daten sollen in den epidemiologischen Forschungsprozess einfließen. Über Jahre sollen Blutproben von geheilten Patienten aus Schleswig-Holstein gesammelt und ausgewertet werden.

Das Robert-Koch-Institut schreibt in seinem Corona-Steckbrief, der täglich aktualisiert wird, dass es bisher “nur wenig belastbare Informationen zu Langzeitfolgen von COVID19” gebe. Doch wenn man Studien zu den Langzeitfolgen des COVID19-Vorgängers SARS COV-1 zu Rate zieht, könnten ähnliche psychische und neurologische Symptome auch bei dem Virus COVID19 durchaus möglich sein.

(Foto: duplex, pixabay.com)

20. April 2020

Kommentare

  1. Skeptikerin

    Also ich finde nicht, dass sich die breite Bevölkerung mit dem Thema Spätfolgen auseinander setzen sollte. Zumindest jetzt noch nicht, weil es keine Daten gibt, aus denen die Medizin fundierte Aussagen machen könnte.

    Was bringt ein neuer Angst-Faktor, wenn wir gegen den bisherigen immer noch nichts tun können? Spätfolgen sind ein Argument für Impfpflicht und bestmögliche Behandlung – aber nicht für eine laufende Pandemie.

  2. Bürger

    Stellt sich die Frage, wie es um Langzeitfolgen anderer Lungenkrankheiten oder der gewöhnlichen Grippe steht.
    Die momentan extreme öffentliche Rezeption von Debatten, die normalerweise nur innerhalb der wissenschaftlichen Community stattfinden würden, führt immer wieder zu Verunsicherungen.

    Wenn ich hier von Spätfolgen wie Hirnschäden lese, krieg ich erstmal einen Schreck. Vielleicht hat Covid-19 aber statistisch gesehen etwa genauso häufig oder sogar viel seltener erhebliche Spätfolgen als vergleichbare Krankheiten – die Referenz fehlt!

    Gut, dass die Forschung sich Gedanken macht. Für den Laien lässt sich daraus aber wenig entnehmen. Im schlimmsten Fall werden durch solche Verlautbarungen in Nicht-Fachmedien sinnlos Ängste geschürt.

    • RuheBewahren

      Das trifft einen wichtigen Punkt! Ohne Kontext und referentiellen Rahmen fehlt der für jede Einordnung essentielle Vergleichspunkt. COVID-19 ist gefährlich… aber im Vergleich zu was? Zur Pneumonie oder zur gemeinen Bronchitis? Zwar mag die öffentliche Erörterung möglicher Langzeitschäden im Sinne demokratischer Transparenz löblich sein, in der aktuellen Situation, da sich jeder Laie zum Nostradamus des Gesundheitssystems aufschwingt, halte ich sie für schädlich. Danke, aber nein danke!

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