Labor als Quelle nicht ausgeschlossen

Als der Behörden Spiegel vor vier Wochen in einem Beitrag die Möglichkeit nannte, dass COVID-19 sowohl von einem Tiermarkt aus Wuhan, aber ebenso aus einem biologischen Labor stammen könnte, gab es eine teils wütende Reaktion von einigen Lesern. Damit muss man in einem Land, in dem die Pressefreiheit herrscht, wenn auch sonstige grundgesetzliche Freiheiten teils außer Kraft gesetzt sind, leben. Damals hatten wir noch nicht die heutigen Möglichkeiten der Recherche. Mittlerweile wissen wir, dass dieses Virus einige sehr ungewöhnliche Eigenschaften hat, aber im Grunde tatsächlich auf dem SARS-Virus von 2002/03 beruht. Etliche Wissenschaftler wehren sich gegen die These, dass das Virus in einem Labor entstanden sein könnte. Es zeige dafür zu natürliche Strukturen. Das mag richtig sein: Doch wird eben in Labors weltweit an natürlichen Viren gearbeitet. Es bedarf also nur der Nutzung vorhandener Erreger, um deren Wirkungsmöglichkeiten so zu manipulieren, dass sie zu einem militärischen Zweck sinnvoll erscheinen.

Das sogenannte “Wuhan Institute of Virology” hat von Anfang an Corona-Viren untersucht. Das Labor wurde mit französischer und amerikanischer Unterstützung gebaut, doch bereits vor seiner Eröffnung im Jahr 2015 gab es heftige Kritik – am Personal, denn dieses gehe zu lasch mit den gefährlichen Stoffen um. Darüber hinaus führt das Haus zwar offiziell den Sicherheitsstandard P4, doch gab es bis heute keine unabhängige Zertifizierung. Die einzige Überprüfung kam aus China selbst. Abschließend wird das Labor direkt von der Volksbefreiungsarmee betrieben. Dieser Aspekt allein macht es höchst unglaubwürdig, dass in Wuhan eben nicht an biologischen Kampfstoffen geforscht wird.

Natürlich forschen auch die USA und Russland an Viren. Und auch bei den Sicherheitsdefiziten gehen die Großmächte Hand in Hand. So gab es in den Forschungslaboren der amerikanischen Seuchenbehörde CDC immer wieder Unfälle, während im vergangenen September eine Explosion unweit von Nowosibirsk für Katastrophenalarm sorgte. In dem russischen Forschungskomplex, ebenfalls mit dem Sicherheitsstandard P4 zertifiziert, wurde mit den gleichen gefährlichsten Viren gearbeitet: Ebola, HIV, Pocken, Milzbrand und eben auch den Coronaviren.

Doch was macht das neuartige Virus jetzt so besonders und anders als bisherige Erreger? Klar ist: Corona-Patienten sind bereits ohne Symptome hoch ansteckend. Zudem gibt es eine ungewöhnliche Hotspot-Ausbreitung und die Zeit der Immunität nach überstandener Erkrankung scheint relativ kurz und begrenzt – alles Momente, die nicht für eine natürliche Mutation des Virus sprechen, sondern vielleicht auch für eine gesteuerte Mutation.

Nun hat Bundesentwicklungsminister Dr. Gerd Müller für die Bundesregierung die Initiative ergriffen und eine Auskunft von der chinesischen Regierung eingefordert. Auch andere Regierungen verlangen nach Aufklärung.

Der Behörden Spiegel hat diese Frage bereits vor vier Wochen gestellt und dafür reichlich Prügel bezogen. Da muss man dann durch. Es waren aber nicht nur Behörden, die uns wegen des “Verdachts” von Falschmeldungen und Verschwörungstheorien beschuldigt haben, sondern auch andere Medien.

Daher sei an dieser Stelle auch kritisch angemerkt: Es fehlt eine kritische und kontrollierende Stimme in der aktuellen Situation, nachdem die Oppositionsparteien ihre Kritik an den Schritten der Regierung weitestgehend eingestellt haben. Und das, während diese Maßnahmen in einem Tempo veranlasst, das nur noch wenig mit demokratischen Beteiligungsprozessen zu tun hat!

– Uwe Proll, Chefredakteur Behörden Spiegel

(Foto: fernandozhiminaicela, pixabay.com)

20. April 2020

Kommentare

  1. Andrea Hofmann-Schwäble

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    auf Grund der Verbreitung von Verschwörungstheorien über den Corona-Virus und Medienhetze von Hr. Uwe Proll kündige ich den Behörden Spiegel sofort. Ich bin entsetzt.

    Ich erwarte eine Bestätigung.

    Mit freundlichen Grüßen

    Andrea Hofmann-Schwäble

  2. Onlinejunkie

    Guten Tag sehr geehrter Herr Proll,

    ich kann Ihnen nur zustimmen, dass vorgefasste Meinungen bei einer Analyse, ob mit der Zielrichtung Virusherkunft, Gefahrenursache oder anderen immer fehl am Platz sind. Nur mit einem mit gesunder Neugierde ausgestattet, motivierten, wachen, gebildeten Geist lassen sich Zusammenhänge erkennen, die es dann zu veri- bzw. falsifizieren gilt. So wird gemeinhin bei jeder Recherche vorgegangen, so sollte auch die Presse vorgehen.

    Von daher mein Lob an den BS für derlei gut überlegte Artikel, die ganz bewusst nicht dem Mainstream folgen wollen, sondern den gesunden Menschenverstand und das Prinzip aufrichtiger, kritischer Berichterstattung beherzigen.

    Danke an Sie Herr Proll für den Artikel und toitoitoi für Ihre gemeinsame weitere Recherche bei dem Thema. Es ist wichtig.

  3. Faktenchecker

    Liebe Redaktion des Behördenspiegels,

    Chapeau meine Damen und Herren. Danke für das Statement in diesem Artikel zu den Themen Grundrechten und Meinungsfreiheit. Es freut mich zu lesen, dass es noch Medien gibt, die sich diesen Werten verpflichtet fühlen und dies auch so explizit ausdrücken und ansprechen. Die den Mut haben Ihrem Auftrag als vierte Gewalt im Staat gerecht zu werden.

    Die letzten Wochen bin ich sehr unglücklich mit dem Diskurs in unserem Land und bin nur immer wieder erstaunt und überrascht. Einerseits, wie die Krisenmeisterung dargestellt wird, die vollständig ausblendet, welche Versäumnisse und Fehlentscheidungen in der Vorsorge der letzten Jahre gemacht wurden und vielleicht auch Einiges, was jetzt notwendig ist, verzichtbar oder in geringerem Umfang notwendig gemacht hätten. Aber auch die Medien, die nur noch als Meinungsverstärker anderen hinterherplappern.

    Deshalb bin ich froh dies zu lesen. Auch als Angehöriger einer ehrenamtlichen Zivilschutzorganisation.
    Danke. Bitte Fahrt diese Linie weiter, damit es vielleicht Schule macht.

  4. Kritikerin

    Sehr geehrter Herr Proll,

    zu Ihrem Artikel möchte ich die von Ihnen angesprochenen Themen gerne aufgreifen und Folgendes anmerken:

    Zum Thema Anfeindungen und Pressefreiheit

    Jeder Verbreiter von Fehlinformationen, Falschmeldungen und Verschwörungstheorien kann sich auf das Grundrecht der Pressefreiheit berufen und beruft sich auf dieses Grundrecht.

    Das Grundrecht auf Pressefreiheit kommt jedoch mit einer Grundverantwortung für journalistische Arbeit.
    Wenn Sie journalistisch sauber gearbeitet hätten, einwandfreie und verlässliche Quellen zitieren könnten, dann wären sicherlich Anfeindungen zu Ihrem Artikel nicht gerechtfertigt.

    Dann sollten Sie sich jedoch als Reaktion auf solche Anfeindungen nicht auf die Pressefreiheit berufen.
    Sie sollten sich stattdessen auf die Qualität Ihrer journalistischen Arbeit berufen.

    Denn nicht die Pressefreiheit sondern die Qualität Ihrer journalistischen Arbeit ist das Einzige, was Sie von den Scharlatanen da draußen tatsächlich unterscheiden würde!

    Im weiteren Fortgang Ihres Artikels zitieren Sie jedoch allenfalls Spekulationen, nicht zuletzt, weil das Thema bisher nur reine Spekulation ohne jegliche Beweise ist.

    Seriöse Quellen haben diese Spekulationen auch längst entkräftet, in Artikeln wie:
    “Ursprung des Coronavirus – Labors als Gerüchteküchen”

    https://www.spiegel.de/politik/ausland/coronavirus-ursprung-in-wuhan-labors-als-geruechtekuechen-a-564ffc03-d3c2-4ed9-853d-b38f96acc79a
    “The new coronavirus was not man-made, study shows”
    https://www.medicalnewstoday.com/articles/the-new-coronavirus-was-not-genetically-engineered-study-shows#Two-possible-origin-scenarios

    Die Regierung Trump in diesem Zuge heranzuziehen, um Ihr Argument zu stärken, Ihr Artikel sei fundiert, ist ebenfalls fragwürdig. Die Regierung Trump und der Präsident selber nutzen derzeit jedes Mittel, um davon abzulenken, dass die Regierung Trump das Virus und das Ausmaß der Krise unterschätzt und zu spät gehandelt haben.

    Ein Politiker im Wahlkampf ist selten eine zuverlässige Quelle für objektive Argumentationsketten und Theorien zur Erklärung von Krisensituation, die sie selber mit verantworten.
    Darauf gehen ebenfalls Artikel ein wie:

    “Scientists Haven’t Found Proof The Coronavirus Escaped From A Lab In Wuhan. Trump Supporters Are Spreading The Rumor Anyway.”
    https://www.buzzfeednews.com/article/ryanhatesthis/coronavirus-rumors-escape-lab-china-fox-news-trump

    Zum Thema unsere Grundrechte wurden außer Kraft gesetzt

    Ich verstehe nicht, womit Sie in Ihrem Artikel begründen, dass “berufs-, bewegungs-, demonstrations- und weitere grundgesetzlich gesicherte Freiheiten bereits außer Kraft gesetzt sind”.
    Soweit ich das erkennen kann sind lediglich die folgenden Grundrechte als verständliche Corona Maßnahmen eingeschränkt worden:

    Artikel 4 Absatz 2: Die ungestörte Religionsausübung.

    Wobei streng genommen, kann ich meine Religion nach wie vor ungestört ausüben. Ich darf mich zu ihrer Ausübung nur nicht versammeln.

    Artikel 8: Das Recht sich zu versammeln.

    Artikel 11: Das Recht auf Freizügigkeit.

    Welches jedoch gemäß Grundgesetz zur Bekämpfung von Seuchengefahr eingeschränkt werden darf, Artikel 11 Absatz 2.

    Artikel 12: Das Recht, Beruf, Arbeitsplatz und Ausbildungsstätte frei zu wählen.
    Wobei streng genommen, darf ich auch hier nach wie vor diese frei wählen.

    Ich darf bestimmte Berufe aufgrund der Bekämpfung von Seuchengefahr derzeit nur nicht frei ausüben. Doch auch hier ist im Grundgesetz bereits festgelegt, dass die tatsächliche Ausübung durch Gesetze geregelt wird.
    Wir haben 19 Artikel in denen die Grundrechte festgelegt werden.

    Damit wären also gerade mal 4 von den 19 Artikeln betroffen und die darin festgelegten Grundrechte derzeit aus gutem Grund eingeschränkt.

    Eingeschränkt! Nicht außer Kraft gesetzt!

    Das ist ein riesiger Unterschied, den Sie in Ihrer journalistischen Verantwortung kennen sollten.

    Die Behauptung aufzustellen “berufs-, bewegungs-, demonstrations- und weitere grundgesetzlich gesicherte Freiheiten” seien bereits außer Kraft gesetzt, ist Populismus und nicht Journalismus.

    Ich persönlich erwarte von der Redaktion seriöser Presse eine klare Differenzierung und eine sachliche Auseinandersetzung.

    An dieser Stelle möchte ich auch die sehr treffenden Worte von Anton Hofreiter aus der heutigen Bundestagsdebatte zitieren:

    “Man sollte einfach aufhören, die eigene Freiheit schlichtweg zu verwechseln, mit dem Recht des Stärkeren. Nämlich, das ist eine vulgäre Form der Freiheit.”

    Zum Thema fehlender demokratischer Beteiligungsprozess

    Geehrter Herr Proll, sicherlich werden bestimmte Maßnahmen der Regierung derzeit im Eiltempo durchgeführt.
    Allerdings sollte man dieses Tempo, die Maßnahmen und auch die Zusammenarbeit der Regierung und der Opposition vor dem Hintergrund betrachten, dass COVID-19 sicherlich NICHT mit seiner Verbreitung warten wird, bis Entscheidungen und Maßnahmen gemäß unserer Vorstellung von demokratischen Beteiligungsprozessen beschlossen sind.

    Wenn ich allein daran denke wie viele JAHRE, es dauern kann, bis normalerweise Konsens erzielt und konkrete Maßnahmen im Parlament beschlossen werden…

    Es wäre im Gegenteil fatal, würde die Regierung in der Corona Krise bei Entscheidungen und zur Durchführung von Seuchenabwehr die üblichen Wege beschreiten.

    Es ist sicherlich sinnvoll auch in dieser Zeit kritisch zu bleiben und unsere Grundrechte wachsam im Auge zu behalten.

    Die Form Ihrer Kritik jedoch ist ebenfalls purer Populismus und unreflektierte Fehldarstellung, der sich jeder Rechtspopulist sicherlich gerne anschließen würde.

    Auch das halte ich eines guten Journalisten für unwürdig.

    Überdies ist die Unfähigkeit unserer Parteien zusammenzuarbeiten nicht unbedingt Ausdruck von Demokratie. Bisweilen ist es eher Ausdruck von Egoismus und Emporstreben einzelner Personen oder Personengruppen.
    Zwar vertreten unsere Parteien als Volksvertreter die unterschiedlichen Interessen ihrer Zielgruppen.
    Jedoch wird dabei viel zu oft außer Acht gelassen, dass zur Demokratie, also zur Herrschaft des Volkes, unweigerlich gehört, dass man sich selbst auch mal zurücknimmt und einen gemeinsamen Konsens findet zum Wohle der Gemeinschaft, die ein Volk schließlich ist.

    Fazit

    Sehr geehrter Herr Proll,
    Sie müssen meines Erachtens nach keinen Angriff auf die Pressefreiheit aushalten.
    Sie müssen vielmehr Kritik an der Qualität Ihrer journalistischen Arbeit aushalten und, wie ich an diesem Artikel finde, auch zu Recht.

    Statt also in populistische Abwehrreaktionen und Rechtfertigungen zu verfallen, machen Sie doch einfach Ihren Job als Journalist besser.
    Mit freundlichen Grüßen

  5. Kritischer Geist

    Das mit dem Geheimlabor aus Wuhan hört sich doch arg verschwörungstheoretisch an. Ein bisschen wie die angeblich fingierte Mondlandung der Amerikaner in der Area 51 oder die Kornkreise als Landeplätze von fliegenden Untertassen. Kampfstoffe gut und schön, aber mich kann man damit nicht beeindrucken.

    Trotz allem: Ein interessanter Beitrag und vor allem ein guter Blog.

  6. Sicherheitsfreak

    Mutigen gehört die Welt.

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