Gemeinsam gegen die Spaltung

Die Corona-Krise verstärkt die digitale Kluft in der Welt. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie des Capgemini Research Institute mit dem Titel „The Great Digital Divide: Why bringing the digitally excluded online should be a global priority“, also zu deutsch: “Die große digitale Spaltung: Warum es eine globale Priorität sein sollte, die digital Ausgeschlossenen online zu bringen”. Die meisten sogenannten Offliner stehen der Digitalisierung dabei nicht grundsätzlich ablehnend gegenüber, sondern haben schlicht nicht die finanziellen Mittel, ins Internet zu kommen. Aus dem Ergebnis der Studie zieht das Beratungsunternehmen den Schluss, dass privater und öffentlicher Sektor auf breiter Fläche zusammenarbeiten müssen, um diesen ausgegrenzten Gruppen einen Zugang zu digitalen Dienstleistungen zu ermöglichen.

Dabei ist die aktuelle Situation nicht Auslöser, sondern lediglich Katalysator für die Verschärfung. Auch vor der COVID-19-Pandemie sahen sich bereits viele Menschen von der digitalen Teilhabe ausgeschlossen. Die Krise werde nun allerdings dafür sorgen, dass sich dieser Trend weiter verstärke und die Schere so immer weiter auseinandergehe, so die Autoren der Studie. Die Verbindung von geringem Einkommen und geringer Digitalisierung schade dabei vor allem jungen Menschen, die bei den Themen Bildung und Beruf mehr und mehr ausgegrenzt würden. Aber auch ältere Menschen haben Nachteile, denn ein weitgehend offline geführtes Leben führe allgemein zu sozialer Ausgrenzung und somit auch zu Defiziten bei der Verfügbarkeit öffentlicher Dienstleistungen. Das beginnt mit zunehmender Digitalisierung von Staat und Verwaltung beim E-Government, wird aber mehr und mehr auch Sektoren der Gesundheit und Weiterbildung betreffen.

Die gemeinsame Verantwortung zur Überwindung dieser Hürden sieht die Capgemini-Studie bei allen Akteuren aus Privat- und Staatssektor sowie dem Wohltätigkeits- und Nichtregierungssektor. Nur gemeinsam könne man es schaffen, die digital Abgehängten wieder einzusammeln und digital kompetent zu machen. Für Capgemini gibt es dabei vier zentrale Punkte, mit denen die Kluft geschlossen werden kann: Die Schaffung besagter “Digitaler Kompetenz”, bessere “Digitalen Bildungseinrichtungen” sowie die Themenfelder “Technologie für eine positive Zukunft” sowie “Thought Leadership”. In diesem Bereich soll speziell mit Think Tanks, öffentlichen und wissenschaftlichen Institutionen daran gearbeitet werden, die Initiativen im Bereich der digitalen Inklusion weiter voranzutreiben.

Die vollständige Capgemini-Studie zur Digitalen Spaltung findet sich in unserem Dokumentenkanal.

(Foto: Michael Gaida, pixabay.com)

5. Mai 2020

Kommentare

  1. Dialog Analog

    Ich merke es gerade selbst, wie viel einfacher Kontaktpflege digital ist. Meine Großeltern leben analog. Kein Internet, kein Smartphone – selbst mit dem Internetradio, dass über das W-LAN meiner Tante läuft, können sie sich nicht wirklich anfreunden. Jetzt gerade sind sie wegen Corona aber stark isoliert und freuen sich über jede Nachricht. Klar können wir telefonieren. Machen wir auch. Aber ein schnelles Bild, ein kurzes Video oder mal im Videochatlive sehen? Das ist leider nicht drin. Unsere Alternative sind Briefe und ausgedruckte Fotos. So wirklich glücklich ist damit aber niemand.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.