Darf man hoffen? Neue Corona-Rechenmatrix aus Israel

Isaac Ben Israel ist Militärwissenschaftler und Mathematiker aus Israel. Mit dem Ergebnis einer Analyse von internationalen Infektionsstatistiken sorgt der Vorsitzende der israelischen Weltraumbehörde und des Nationalen Rats für Forschung und Entwicklung für Furore.

Israel postuliert, dass nach 70 Tagen die Infektionskurve vieler Lände sinke – egal, was man tue. Demnach sei es nur Psychologie, wenn Staaten ihre Bürger in den Shutdown zwängen. Sozusagen ein beruhigendes Therapeutikum. Die Behauptung, durch die getroffenen Verordnungen habe man erst das Virus erfolgreich eingedämmt, sind laut Israel angreifbar. Diese Schlussfolgerung zieht er aus dem weltweiten Vergleich von 25 Ländern , die unterschiedliche strategische Ansätze zur Bewältigung des Virus verfolgten.

Allen sei gemein, dass 40 Tage nach dem Ausbruch die Klimax der Ausbreitung des Virus erreicht sei. Und nach 70 Tagen mache sich eine stark fallende Kurve bemerkbar. Von exponentiellen Wachstumsverläufen zu sprechen, sei laut Israel nicht zielführend. Er untermauert seine These mit der Gegenüberstellung von augenscheinlichen “Antipoden” in der Virusbekämpfung. Sein Vergleich zwischen Schweden und Italien habe gezeigt, dass ähnliche Kurvenverläufe die Entwicklung des Virus in einem gänzlich neuen Licht erscheinen ließen.

Der Mathematiker mutmaßt, dass der Shutdown kein Allheilmittel für die schnellere Gesundung eines Volkes von Covid-19 sei. Obwohl Schweden bis zum heutigen Tag für eine eher laxe Bekämpfungspolitik, Italien aber für das komplette Gegenteil stehe, sei der zeitliche Verlauf aber annähernd gleich.  Dieses Phänomen macht der Mathematiker an weiteren Beispielen fest. Berufskollegen aus aller Welt hätten diesen Trend bestätigt, so Israel in einem Welt-Interview.

Doch es bleiben mehr Fragen als Antworten. Israel ist kein Virologe, sondern Mathematiker. Ohne epidemiologische Schlussfolgerungen daraus ableiten zu können, betreibt Israel seine Corona-Rechenmatrix. Ob das Virus nur eine beschränkte Lebensdauer aufweise, oder das Klima für die Abmilderung des Virus ursächlich sei, bleibt im Ungefähren. Israel argumentiert mit wirtschaftlichem Impetus und betont, dass man zwar weiterhin auf Kontaktbeschränkungen und Maskenpflicht setzen solle, doch nicht zum Preis einer geschwächten Ökonomie.

Ob Verschwörungstheorie oder nicht – in der Corona-Krise greift man nach jedem Strohhalm. Gefährlich ist es aber, der Weltgemeinschaft falsche Hoffnungen zu machen. Denn sollte Israels Rechenmodell eine unkalkulierbare Dynamik entwickeln, könnte seine Matrix den Protest der Bürgerinnen und Bürger in aller Welt ideologisch nähren und Aufstände begünstigen.

(Foto: jorono, pixabay.com)

8. Mai 2020

Kommentare

  1. Security Freak

    Aber dennoch ein wichtiger Beitrag in der Diskussion

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