“Analyse” aus dem BMI

Ein Mitarbeiter des Bundesinnenministeriums (BMI) hat seine kritische Privatmeinung zum Corona-Krisenmanagement der Bundesregierung kundgetan. Und das in einem fast 200 Seiten umfassenden Dokument, das er per E-Mail und unter Verwendung des BMI-Briefkopfes sowie unter Nutzung dienstlicher Kommunikationskanäle verschickte. Das Dokument enthält zum Teil sehr kritische Anmerkungen und krude Thesen.

Es kann im Dokumentenkanal des Behoerden.Blog nachgelesen werden. Das Papier bedient Vorurteile, Ressentiments und Verdächtigungen. Es enthält sowohl wahre als auch falsche und verdrehte Aussagen. Erst durch diesen Mix ist es politisch derart brisant. Verfasst ist das Dokument von einem Mitarbeiter des BMI-Referats KM 4. Dort befassen sich die Mitarbeiter unter anderem mit dem Schutz Kritischer Infrastrukturen (KRITIS). 

Hier sei dem Papier zufolge “im Vorgriff auf eine nach der Krise zu unternehmende Evaluation” krisenbegleitend eine “intensive Analyse und Auswertung des Krisenmanagements aus der Perspektive der hiesigen Zuständigkeit für den Schutz Kritischer Infrastrukturen vorgenommen” worden. Dabei seien schwerwiegende Defizite im Regelungsrahmen für Pandemien diagnostiziert sowie Fehlleistungen im handwerklichen doing des Krisenmanagements festgestellt worden. 

Und weiter heißt es: “Die beobachtbaren Wirkungen und Auswirkungen von COVID-19 lassen darüber hinaus keine ausreichende Evidenz dafür erkennen, dass es sich – bezogen auf die gesundheitlichen Auswirkungen von Covid-19 auf die Gesamtgesellschaft – um mehr als um einen Fehlalarm handelt.”

(Foto: Free-Photos, pixabay.com)

12. Mai 2020

Kommentare

  1. Klara

    Da stürzen sich jetzt alle Impfgegner ,Veganer,Reichsbürger,Rechtsextreme ,Verschwörungstheoretiker und auch die Linksextremen drauf ,sehen sich bestätigt und nutzen das angeblich offizielle BMI-Material für ihre Fake-Propaganda.

  2. Jörg

    Was blieb dem verantwortungsvollen Beamten anderes übrig, wie den von ihm gewählten Weg zu gehen?
    Ich hoffe man setzt sich mit dem Dokument kritisch auseinander. Es scheinen viele Einzelmeinungen zu sein, die hier zusammen gefasst wurden.
    Ich denke das hier sehr viele Mitarbeiter mitgewirkt haben, intern wie extern.
    Für mich ist es durchaus schlüssig und die Mitarbeiter haben eine Auszeichnung verdient.

  3. Angela

    Bisher hört man nur, der Mitarbeiter habe “falsches” Briefpapier benutzt.
    Gibt es auch inhaltliche Kritik an der Ausarbeitung?

    Werden die Argumente von Herrn K. mittlerweile im Ministerium kritisch reflektiert?

  4. Geheimtipp: Kritisch Denken

    Entweder wird da jemand ziemlich bald mit Pauken und Trompeten aus dem Ministerium geworfen, oder es ist vielleicht doch nicht so “fake” und war nur nicht für die Öffentlichkeit gedacht. Wenn ich mir aber das Papier so anschaue, tendiere ich zu ersterem…

  5. Bernard

    das Papier wurde von einem oder mehreren Vertretern einer Behörde erstellt, von denen anzunehmen ist dass sie wissen was sie damit tun – oder sollten wir nun jeder Veröffentlichung eines Behördenvertreters grundsätzlich misstrauen ?

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