Es braucht zwingend Regeln

Bei den jüngsten Ausschreitungen in der Stuttgarter Innenstadt, aber auch bei Randale am Bonner Rheinufer oder bei Auseinandersetzungen zwischen jungen Menschen und der Polizei in Berliner Grünanlagen wird das Gewaltmonopol des Staates massiv infrage gestellt. Dabei braucht es für ein friedliches Zusammenleben der unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen auf jeden Fall verbindliche Regeln. Und diese müssen von allen staatlichen Stellen, auch den Kommunen, implementiert und kontrolliert werden.

Ansonsten nimmt im schlimmsten Fall die Demokratie selbst erheblichen Schaden. Davor warnt auch Prof. Peter Walschburger vom Fachbereich Erziehungswissenschaft und Psychologie, mit Forschungsschwerpunkt Biopsychologische Anthropologie, an der Freien Universität Berlin. Es sei leider in manchen Kreisen schick geworden, sich gegen staatliche Institutionen und Obrigkeiten aufzulehnen, so der Wissenschaftler. Dies sei vor dem Hintergrund eines Wertewandels von demokratischen zu autokratischen Formen des Zusammenlebens zu bewerten und müsse den Umstand berücksichtigen, dass wir in einer heterogenen Gesellschaft lebten, in der nie alle Menschen die staatlichen Regeln verinnerlichten und befolgten. Besonders auffällig sei dabei das Verhalten junger Männer.

Erhöhte Erregungslust

Denn: “Diese Personengruppe lebt in einer Entwicklungsphase, für die eine ausgeprägte Vitalität, eine besondere Unternehmungslust, das Infragestellen von Autoritäten und die Suche nach aufregenden Erfahrungen charakteristisch ist”, erläutert Walschburger. “Im Kontrast zu älteren Personen fühlen sich viele unter ihnen durch die aktuelle Corona-Pandemie mit ihren medial vermittelten Schreckensszenarien kaum persönlich oder gar existentiell bedroht. Wenn sie dann ihren ausgeprägten Autonomieanspruch wegen Corona-bedingter Einschränkungen nicht ausleben können, führt das leicht zur Frustration und zu einer erhöhten Bereitschaft, unbekümmert um das Gemeinwohl, regelwidrig oder auch aggressiv  die eigenen Handlungsziele in Gruppen Gleichgesinnter zu verwirklichen.”

(Foto: InstagramFOTOGRAFIN, pixabay.com)

26. Juni 2020

Kommentare

  1. Kriegsminister

    Die “erhöhte Erregungslust” ist aber keine Entschuldigung für das Begehen von gewalttätigen Straftaten!

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