„Jeder Übergriff ist einer zu viel!“

Es sind Zahlen, die erschrecken: rund 2.300 Übergriffe wurden im Jahr 2019 auf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Deutschen Bahn registriert. Heruntergebrochen bedeutet das: siebenmal an jedem Tage wird in Deutschland ein*e Beschäftigte*r bei Bus und Bahn angepöbelt, bespuckt oder tätlich angegriffen. Hierbei reden wir von den registrierten Vorfällen. Wir sind sicher, dass es hierbei eine hohe Dunkelziffer gibt. Aus dem Bereich der nicht-bundeseigenen (NE) Bahnen liegen uns entsprechend ähnliche Erfahrungsberichte der Beschäftigten vor.

Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft ist nicht bereit, diese zunehmende Aggressivität zu akzeptieren. Viele Kolleginnen und Kollegen bei den Bus- und Eisenbahnbetrieben sind hochmotiviert und machen ihre Arbeit gern – vor allem mit und für die 99 % der Kund*innen, die sich vernünftig verhalten. Das wollen sie und wir uns nicht von 1 % kaputtmachen lassen. Deshalb haben wir bereits vor Jahren die Kampagne „sicher unterwegs“ ins Leben gerufen und beteiligen uns auch an der aktuellen Kampagne des DGB „Vergiss nicht, hier arbeitet ein Mensch“. Beschäftigte, die Dienst an der Allgemeinheit leisten, haben unser aller Respekt verdient.

Mit unserer Kampagne „sicher unterwegs“ haben wir bereits viel erreicht. Regelmäßige Deeskalationstrainings, bessere Nachsorge nach gewalttätigen Übergriffen, Pilotversuche mit BodyCams, eine bessere Ausrüstung der Sicherheitspersonale, mehr Video-Überwachung: Dies hätte es ohne die EVG nicht gegeben.

Für die Nachsorge nach gewalttätigen Übergriffen hat die EVG inzwischen selbst ein eigenes Angebot entwickelt: das Helfer*innen-Telefon „Ruf Robin“. Wer Opfer eines Übergriffs geworden ist, hat die Möglichkeit, sich rund um die Uhr bei der Service Hotline zu melden. Dort werden alle notwendigen Angaben zu dem Vorfall aufgenommen; die*der Betroffene bekommt einen Rückruf und erhält eine Erstberatung. Wichtig: Dieses Angebot gilt ausdrücklich auch für Beschäftigte, die nicht EVG-Mitglied sind. Gewerkschaftsmitglieder bekommen darüber hinaus auf Wunsch eine individuelle sowie juristische Beratung durch die EVG sowie weitere Unterstützungsangebote. Hier greift die EVG auf ihr weitgespanntes Netzwerk an Sozialpartnern zurück, so den Fonds soziale Sicherung, die DEVK, die BAHN-BKK, die Stiftungsfamilie (früher Bahn-Sozialwerk) und die GUV Fakulta.

Nach drei Jahren zieht die EVG ein positives Zwischenfazit: Zahlreiche Beschäftigte haben dieses Angebot bereits genutzt und uns erreichen viele positive Rückmeldungen. „Ich fühlte mich gehört und gestützt“, so unlängst ein Busfahrer im EVG-Mitgliedermagazin, der sich nach einem brutalen Übergriff an „Ruf Robin“ gewendet hatte.

Dennoch bleibt noch viel zu tun. Die EVG fordert eine generelle Doppelbesetzung der Züge im SPNV mit Zugbegleiter*innen (dafür müssen die Aufgabenträger sorgen), mehr Präsenz der Bundespolizei, eine bundesweite Datenbank zur Erfassung von Übergriffen und Schwerpunkt-Staatsanwaltschaften, die Übergriffe in Zügen, Bussen und Verkehrsstationen konsequent strafrechtlich verfolgen können. Unternehmen, Politik und Aufgabenträger müssen sich für das Thema engagieren, damit der Eisenbahnverkehr sicher bleibt. Für die EVG steht fest: Jeder Übergriff ist einer zu viel!

(Grafik: EVG)

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